Brownsche Bewegung und Random Walk

Erkunden Sie zufaellige Prozesse von der Physik bis zur Finanzwelt, Einsteins Diffusionstheorie und die geometrische Brownsche Bewegung

Zeit: 0.00
Schritte: 0

Parameter

1.0
20
0.0
0.01

Typ des Random Walks

Anfangsbedingung

Aktionen

Anzeigeoptionen

Presets

Animationsgeschwindigkeit

30 FPS

Mittlere Position ⟨x⟩

0.0000

Mittlere quadratische Verschiebung ⟨x²⟩

0.0000

Diffusionskoeffizient D

0.0000
Theorie: 1.0000

Varianz σ²

0.0000

Positionsverteilung

Empirisch Gaussian-Theorie

Mittlere quadratische Verschiebung gegen Zeit

Simuliert Theorie: ⟨x²⟩ = 2Dt
Regressionssteigung: -

Mathematische Analyse

Verschiebungsverteilung

P(x,t) = (4πDt)^(-1/2) × exp(-x²/4Dt)

Gauss-Verteilung mit Varianz 2Dt

Einstein-Beziehung

⟨x²⟩ = 2Dt

Die mittlere quadratische Verschiebung waechst linear mit der Zeit

Geometrische Brownsche Bewegung

dS = μS dt + σS dW_t

S_t = S_0 × exp((μ - σ²/2)t + σW_t)

Aktienpreismodell (Black-Scholes)

Einfacher Random Walk

S_{n+1} = S_n + ξ_n, ξ_n ∈ {-1, +1}

Var(S_n) = n

Die diskrete Version konvergiert gegen Brownsche Bewegung

Eigenschaften des Wiener-Prozesses

  • W₀ = 0 (Start im Ursprung)
  • Unabhaengige Inkremente
  • Wₜ - Wₛ ~ N(0, t-s)
  • Stetige Pfade (fast sicher)

Skalierungsgesetz

x ~ √t (diffusion scaling)

Um die Verschiebung zu verdoppeln, braucht man etwa 4-mal so viel Zeit

Von Pollen zu Aktienkursen

1827

Robert Browns Entdeckung

Der schottische Botaniker Robert Brown beobachtete unter dem Mikroskop die unregelmaessige Bewegung von Pollenkörnern im Wasser. Zunaechst vermutete er eine Lebenskraft, spaeter zeigte sich dasselbe Verhalten auch bei anorganischen Teilchen.

1900

Bacheliers Dissertation

Louis Bachelier entwickelte fuenf Jahre vor Einstein eine Theorie der Aktienkursschwankungen mit Random Walks. Seine Arbeit legte die Grundlage der mathematischen Finanztheorie.

1905

Einsteins Theorie

Albert Einstein erklaerte die Brownsche Bewegung mit der kinetischen Theorie, leitete die Diffusionsgleichung her und fand die Beziehung ⟨x²⟩ = 2Dt. Das war ein wichtiger Beleg fuer die Atomtheorie.

⟨x²⟩ = 2Dt = (k_B T / 3πηr) × t

1908

Perrins Experimente

Jean Perrin bestaetigte Einsteins Vorhersagen mit praezisen Experimenten und erhielt dafuer 1926 den Nobelpreis. Seine Resultate ueberzeugten viele verbliebene Skeptiker von der Existenz der Atome.

1923

Wieners mathematische Formalisierung

Norbert Wiener gab der Brownschen Bewegung ein rigoroses mathematisches Fundament, indem er das Wiener-Mass konstruierte und Eigenschaften der Pfade bewies. Das wurde zentral fuer die stochastische Analysis.

1973

Black-Scholes-Formel

Fisher Black, Myron Scholes und Robert Merton entwickelten mit geometrischer Brownscher Bewegung die Optionspreisformel und veraenderten damit die modernen Finanzmaerkte grundlegend.

C = S·N(d₁) - K·e^(-rT)·N(d₂)

Mathematische Grundlage

1. Einfacher Random Walk (diskret)

Der einfachste Zufallsprozess: In jedem Schritt geht es mit gleicher Wahrscheinlichkeit um ±1 weiter.

S_0 = 0, S_{n+1} = S_n + ξ_n

P(ξ_n = +1) = P(ξ_n = -1) = 0.5

E[S_n] = 0, Var(S_n) = n

Nach n Schritten skaliert die typische Verschiebung wie √n.

2. Kontinuumslimes (Skalierung)

Man betrachtet viele kleine Schritte mit Schrittweite ε und Zeitschritt δ bei konstantem ε²/δ = 2D.

lim_{n→∞} S_{[nt]} / √n → W_t (Wiener process)

Nach dem zentralen Grenzwertsatz ergibt sich im Limes ein gausscher Prozess.

3. Brownsche Bewegung (Wiener-Prozess)

Ein kontinuierlicher stochastischer Prozess mit gausschen Inkrementen.

W_0 = 0

W_t - W_s ~ N(0, t-s) for t > s

Independent increments: W_t - W_s ⊥ W_s

Continuous paths (almost surely)

Die Pfade sind stetig, aber nirgends differenzierbar.

4. Diffusionsgleichung (Fokker-Planck)

Die Wahrscheinlichkeitsdichte entwickelt sich nach der Waermegleichung.

∂P/∂t = D ∂²P/∂x²

P(x,t) = (4πDt)^(-1/2) × exp(-x²/4Dt)

Die Loesung ist gaussf ormig mit Varianz 2Dt.

5. Itô-Kalkuel (stochastische Integration)

Prozesse mit Brownschem Rauschen erfordern eine neue Analysis.

dX_t = μ dt + σ dW_t

Itô Lemma: df(X,t) = f_x dX + (1/2)f_xx σ² dt + f_t dt

(dW_t)² = dt (quadratic variation)

Der Term zweiter Ordnung ist wichtig, weil (dWₜ)² = dt gilt.

6. Geometrische Brownsche Bewegung

Ein Aktienpreismodell mit positiven Werten und logarithmisch normaler Verteilung.

dS/S = μ dt + σ dW_t

S_t = S_0 × exp((μ - σ²/2)t + σW_t)

E[S_t] = S_0 e^{μt}

Var(S_t) = S_0² e^{2μt}(e^{σ²t} - 1)

log(Sₜ/S₀) ist normalverteilt.

Finanzanwendungen

Warum geometrische Brownsche Bewegung fuer Aktien?

  • Durch die Exponentialform bleiben Preise immer positiv.
  • Modelliert werden Renditen und nicht direkt Preise als additive und unabhaengige Groessen.
  • Die Lognormalverteilung ist oft eine brauchbare Annaeherung an Marktdaten.
  • Das Modell bleibt einfach genug fuer analytische Loesungen.

Drift μ versus Volatilitaet σ

μ steht fuer erwartete Rendite oder Trend, σ fuer Zufall und Risiko.

Hohe σ bedeutet starke Preisschwankungen und eine hoehere geforderte Risikopraemie.

Hohe μ bedeutet einen staerkeren Aufwaertstrend und hoehere erwartete Renditen.

Black-Scholes-Optionspreisbildung

Eine europaeische Call-Option gibt das Recht, eine Aktie zum Strike K zum Zeitpunkt T zu kaufen.

C = S·N(d₁) - K·e^(-rT)·N(d₂)

d₁ = [ln(S/K) + (r + σ²/2)T] / (σ√T)

d₂ = d₁ - σ√T

N(·) ist die Standardnormalverteilungsfunktion. Die zentrale Idee ist ein risikoloses Hedge-Portfolio.

Risikoneutrale Bewertung

In vollstaendigen Maerkten entspricht der Preis dem abgezinsten Erwartungswert des Payoffs unter dem risikoneutralen Mass.

Price = e^(-rT) × E_Q[Payoff]

Die reale Drift μ wird durch den risikofreien Zinssatz r ersetzt.

Die Greeks (Risikomasse)

  • Δ (Delta): ∂Price/∂S (hedging ratio)
  • Γ (Gamma): ∂²Price/∂S² (convexity)
  • ν (Vega): ∂Price/∂σ (volatility sensitivity)
  • Θ (Theta): ∂Price/∂T (time decay)
  • ρ (Rho): ∂Price/∂r (interest rate sensitivity)

Monte-Carlo-Simulation

Wenn es keine geschlossene analytische Loesung gibt, simuliert man viele Zufallspfade.

S_{i+1} = S_i × exp((μ - σ²/2)dt + σ√dt·Z)

where Z ~ N(0,1)

Diese Visualisierung nutzt genau diese Methode fuer die Pfadsimulation.

Virtuelles Labor

Experiment 1: Einstein-Beziehung pruefen

Testen Sie, ob ⟨x²⟩ = 2Dt in der Simulation gilt.

  1. Setzen Sie D = 1.0 und dt = 0.01.
  2. Starten Sie mit 50 Teilchen im Ursprung.
  3. Lassen Sie die Simulation bis T = 10.0 (1000 Schritte) laufen.
  4. Pruefen Sie die Regressionssteigung im MSD-Plot.
  5. Erwartete Steigung: 2D = 2.0.

Experiment 2: Zentraler Grenzwertsatz

Beobachten Sie, wie aus einfachen ±1-Schritten eine Gauss-Verteilung entsteht.

  1. Waehlen Sie den einfachen Random Walk.
  2. Verwenden Sie 100 Teilchen am Ursprung.
  3. Beobachten Sie das Histogramm nach 100, 500 und 1000 Schritten.
  4. Vergleichen Sie es mit der theoretischen Gauß-Kurve.

Experiment 3: Einfluss des Drifts

Wie veraendert ein konstanter Drift die Verteilung?

  1. Setzen Sie μ = 0.5 und D = 1.0.
  2. Starten Sie die Simulation und beobachten Sie ⟨x⟩.
  3. Erwartung: ⟨x⟩ = μt.
  4. Die Varianz bleibt 2Dt; der Drift verschiebt die Lage, nicht die Breite.

Experiment 4: Aktienpreissimulation

Vergleichen Sie verschiedene Marktszenarien.

  1. Wechseln Sie in den Finanzmodus.
  2. Probieren Sie verschiedene Kombinationen aus μ und σ aus.
  3. Bullenmarkt: μ = 0.15, σ = 0.2.
  4. Baerenmarkt: μ = -0.05, σ = 0.3.
  5. Beobachten Sie die Wahrscheinlichkeit von Gewinn und Verlust.

Experiment 5: Optionspreisbildung

Verstehen Sie Black-Scholes mithilfe von Simulation.

  1. Setzen Sie S₀ = 100, K = 100 und T = 1 Jahr.
  2. Simulieren Sie 1000 Preiswege.
  3. Berechnen Sie den Call-Payoff max(Sₜ - K, 0).
  4. Mitteln und abzinsen: e^(-rT) × E[Payoff].
  5. Vergleichen Sie das Ergebnis mit der Black-Scholes-Formel.